Zum 70. Jubiläum: Sieben Jahrzehnte Condor-Geschichte
Seit 1956 begleitet Condor Menschen an die schönsten Reiseziele der Welt. Vom ersten touristischen Flug bis zur Airbus-Transformation erzählt jedes Kapitel ein Stück Condor-Jubiläumsgeschichte.
Seit 1956 begleitet Condor Menschen an die schönsten Reiseziele der Welt. Vom ersten touristischen Flug bis zur Airbus-Transformation erzählt jedes Kapitel ein Stück Condor-Jubiläumsgeschichte.
Mit der Gründung der Deutschen Flugdienst GmbH im Jahr 1955 beginnt ein neues Kapitel des Reisens in Deutschland. Am 29. März 1956 startet der erste touristische Flug von Frankfurt über Beirut und Damaskus nach Jerusalem. Die 14-tägige Rundreise kostet damals 1 953 Deutsche Mark – für viele Gäste eine aussergewöhnliche Erfahrung. Die meisten Passagiere haben zuvor noch nie ein Flugzeug betreten.
Zum Einsatz kommen zunächst Vickers-Viking-Propellerflugzeuge mit rund 36 Sitzplätzen. Bereits in den ersten Jahren entwickelt sich der Mittelmeerraum zum wichtigsten Zielgebiet. Mallorca, Italien, Griechenland und Nordafrika stehen sinnbildlich für den Beginn des modernen Urlaubsflugs.
Doch die junge Branche ist noch instabil. Ende der 1950er Jahre gerät die Ferienfliegerei durch einen harten Preiskampf in eine Krise, und die Deutsche Flugdienst steht kurz vor dem Aus. Erst die Übernahme durch Lufthansa im Jahr 1959 stabilisiert das Unternehmen nachhaltig.
1961 erhält die Airline ihren bis heute bekannten Namen: Condor Flugdienst. Gleichzeitig beginnt die Modernisierung der Flotte mit der Vickers Viscount, einem der modernsten Turboprop-Flugzeuge seiner Zeit. Weniger Vibrationen, höhere Geschwindigkeit und mehr Komfort machen das Fliegen erstmals zu einem echten Reiseerlebnis.
In den 1960er Jahren wächst auch der Tourismus rasant. Mallorca entwickelt sich zum Sehnsuchtsort einer ganzen Generation – und Condor spielt dabei eine zentrale Rolle. Auf der Insel entsteht sogar ein eigenes Crew-Haus in El Arenal, weil so viele Flüge dorthin durchgeführt werden.
Mit den ersten Langstreckenflügen öffnet Condor ihren Gästen Mitte der 1960er Jahre erstmals die Tür zu weiter entfernten Reisezielen in Afrika, Asien und der Karibik. Der Ferienflug wird international.
Am Ende des Jahrzehnts beginnt für die Airline das Jet-Zeitalter. Flugzeuge wie die Boeing 707 verkürzen Reisezeiten deutlich und machen Fernreisen für immer mehr Menschen erreichbar.
Ein historischer Meilenstein folgt 1971: Als erste Ferienfluggesellschaft weltweit setzt Condor eine Boeing 747 im touristischen Linienverkehr ein. Der Jumbo Jet verändert die Luftfahrt grundlegend. Mit Platz für rund 470 Passagiere transportiert Condor erstmals fast 500 Urlauber gleichzeitig in den Süden.
Die ersten beiden Maschinen werden schnell unter ihren Spitznamen «Fritz» und «Max» bekannt. Besonders auf den Flügen nach Mallorca sorgen die riesigen Flugzeuge für Begeisterung – viele Urlauber fotografieren die Maschinen bereits am Flughafen.
Mit dem Jumbo verändert sich nicht nur das Reisen selbst, sondern auch die Infrastruktur der Flughäfen. Grössere Gates, neue Boardingprozesse und effizientere Gepäckabfertigung werden notwendig. Der Massentourismus erreicht eine neue Dimension.
1973 wird Condor mit 291 Millionen D-Mark Umsatz zur weltweit führenden Ferienfluggesellschaft. Gleichzeitig bringt die Ölkrise neue Herausforderungen mit sich: steigende Treibstoffpreise machen Effizienz und wirtschaftliche Flottenplanung zu zentralen Themen.
Die 1980er Jahre stehen für Wachstum, Internationalisierung und die Weiterentwicklung des Langstreckenverkehrs. Fernreisen werden für immer mehr Menschen erschwinglich – Ziele in der Karibik, Afrika oder Nordamerika entwickeln sich zunehmend zu klassischen Urlaubsdestinationen.
1979 ergänzt die erste McDonnell Douglas DC-10 die Flotte. Der dreistrahlige Grossraumjet wird schnell zu einem der prägenden Flugzeuge der Airline und übernimmt viele Langstreckenverbindungen. Mit grosser Reichweite und hoher Kapazität bringt die DC-10 Urlauber zu tropischen Zielen rund um den Globus.
1985 folgt mit dem Airbus A310 ein weiterer wichtiger Schritt der Flottenmodernisierung. Der moderne Grossraumjet überzeugt mit effizienterer Technik, geringerem Treibstoffverbrauch und verbessertem Komfort an Bord. Gleichzeitig markiert er den Beginn der Airbus-Geschichte bei Condor.
Der Ferienflugverkehr professionalisiert sich zunehmend. Reiseveranstalter und Airlines arbeiten enger zusammen, um komplette Urlaubspakete anzubieten. Condor entwickelt sich dabei zu einem der wichtigsten Ferienflieger Europas.
Ein tragisches Ereignis prägt das Ende des Jahrzehnts: Beim Unfall einer Boeing 737 nahe Izmir im Jahr 1988 kommen zahlreiche Menschen ums Leben. Die Untersuchungen führen international zu Verbesserungen bei Navigation, Crew-Training und Sicherheitsverfahren.
Die 1990er Jahre bringen tiefgreifende Veränderungen im internationalen Luftverkehr. Neue Märkte entstehen, der Wettbewerb wächst und Fernreisen werden für immer mehr Menschen selbstverständlich.
Nach der deutschen Wiedervereinigung erschliesst Condor neue Abflugorte in Ostdeutschland und erweitert ihr Streckennetz kontinuierlich. Immer mehr Gäste können nun direkt von regionalen Flughäfen in den Urlaub starten.
Gleichzeitig modernisiert die Airline ihre Flotte umfassend. Zwischen 1990 und 1992 werden die Boeing 757 und Boeing 767 eingeführt. Besonders die Boeing 767 entwickelt sich zum Rückgrat der Langstreckenflotte und prägt über Jahrzehnte das Erscheinungsbild der Airline.
1991 setzt Condor neue Massstäbe im touristischen Flugverkehr: Als erste Ferienfluggesellschaft führt die Airline die Comfort Class ein und etabliert damit ein neues Komfortniveau im Leisure-Segment.
Mit «Condor Flüge Individuell» verkauft die Airline Flugtickets erstmals direkt an Gäste und entwickelt das klassische Chartermodell konsequent weiter. Der Ferienflug wird individueller und flexibler.
Fernreisen nach Nordamerika, Afrika, Asien oder in die Karibik werden nun endgültig Teil des alltäglichen Reisens einer neuen Urlaubsgeneration.
1996 beginnt eines der bekanntesten Kapitel der Condor-Geschichte: Zum 40-jährigen Jubiläum gestaltet der amerikanische Pop-Art-Künstler James Rizzi eine Boeing 757 im unverwechselbaren «Rizzi Bird»-Design. Die farbenfrohe Sonderlackierung wird weltweit bekannt und entwickelt sich zu einem Symbol für Urlaub, Lebensfreude und die Marke Condor.
Im selben Jahr wird Condor Erstkunde der Boeing 757-300, die später zu einem der prägendsten Flugzeugtypen der Airline wird.
Gleichzeitig verändert sich der europäische Tourismusmarkt grundlegend. Condor wird Teil der Thomas Cook Group und später der C&N Touristic AG. Fluggesellschaften und Reiseveranstalter arbeiten nun immer enger zusammen, um komplette Urlaubserlebnisse aus einer Hand anzubieten.
Die 2000er Jahre stehen ausserdem im Zeichen der Digitalisierung. Online-Buchungen und Reiseportale verändern die Art, wie Menschen ihre Reisen planen. Immer mehr Gäste buchen ihre Flüge direkt online statt im klassischen Reisebüro.
Condor entwickelt ihr Bordprodukt kontinuierlich weiter und investiert in modernisierte Kabinen, neue Unterhaltungssysteme und zusätzlichen Komfort an Bord.
2006 feiert die Airline schliesslich ihr 50-jähriges Jubiläum – unter anderem mit dem Sonderflugzeug «Willi».
In den 2000er- und frühen 2010er-Jahren entwickelt Condor das Reiseerlebnis konsequent weiter. Der Fokus liegt zunehmend auf Komfort, Digitalisierung und einem modernen Bordprodukt.
2008 wird die Premium Economy Class eingeführt und ergänzt das Angebot zwischen Economy und Business Class um zusätzlichen Komfort auf Langstreckenflügen. Moderne Unterhaltungssysteme, neue Sitzkonzepte und verbesserte Services prägen die Weiterentwicklung des Produkts.
2009 startet die Winglet-Modernisierung der Boeing-Flotte. Die markanten Flügelaufsätze verbessern Aerodynamik und Effizienz und reduzieren gleichzeitig den Treibstoffverbrauch.
Mit dem Umzug in die neue Firmenzentrale in Gateway Gardens im Jahr 2012 beginnt auch organisatorisch ein neues Kapitel. Gleichzeitig investiert Condor weiter in Business Class, digitale Services und Innovationen wie Airshoppen.
Das Streckennetz bleibt stabil und verbindet Millionen Urlauber mit Reisezielen rund um das Mittelmeer, in Nordamerika, Afrika oder der Karibik. Condor zählt weiterhin zu den wichtigsten touristischen Airlines Deutschlands.
Seit dem 60-jährigen Jubiläum 2016 beginnt für Condor eine der dynamischsten Phasen ihrer Geschichte. Nach Jahrzehnten als Teil grosser Touristikkonzerne entwickelt sich die Airline Schritt für Schritt neu.
2019 stellt die Insolvenz der Thomas Cook Group Condor vor ihre grösste Herausforderung der jüngeren Unternehmensgeschichte. Trotz der schwierigen Situation bleibt kein einziger Condor-Flug am Boden. Unterstützt durch einen staatlich abgesicherten Überbrückungskredit gelingt es der Airline, den Flugbetrieb stabil fortzuführen – für viele ein Symbol für Verlässlichkeit und Vertrauen.
Mit dem Einstieg des Investors Attestor im Jahr 2021 beginnt schliesslich ein umfassender Neustart. Condor investiert in Marke, Produkt und Flotte und richtet die Airline strategisch neu aus.
2022 folgt der wohl sichtbarste Wandel: der neue Markenauftritt im ikonischen Streifenlook. Inspiriert von Sonnenschirmen, Badetüchern und Liegestühlen steht das Design für das, was Condor seit Jahrzehnten prägt: Urlaub beginnt nicht erst am Ziel, sondern bereits beim Einstieg ins Flugzeug.
Parallel startet mit dem Airbus A330neo die neue Langstreckenära. Die moderne Flugzeuggeneration überzeugt durch deutlich geringeren Treibstoffverbrauch, reduzierte CO₂-Emissionen und ein vollständig neues Kabinenerlebnis.
2023 und 2024 treibt Condor die Flottenerneuerung konsequent voran. Die Boeing 767 wird vollständig ausgemustert, während gleichzeitig die Modernisierung der Kurz- und Mittelstreckenflotte mit dem Airbus A320neo und A321neo beginnt.
Mit dem emotionalen Abschied der Boeing 757-300 im Jahr 2025 vollzieht Condor schliesslich den Schritt zur vollständigen Airbus-Flotte.
Heute verbindet Condor 70 Jahre touristische Erfahrung mit modernster Technologie, effizienter Flotte und einer Markenwelt, die den Ferienflug neu interpretiert.


































